Blasmusiker sind dauerhafte kulturelle Brückenbauer

Wie haben wir zu Beginn der Pandemie 2020 mit unseren Freunden aus der Partnergemeinde Scherwiller mitgefiebert, dass deren schwierige gesundheitliche Lage gut bewältigt werden konnte. Sogar einen Transport mit Gebackenem und Helfendem konnte erfolgreich realisiert werden. Mittlerweile sind wir und die Elsässer im Grunde „über dem Berg“ und man findet wieder Gefallen am öffentlichen Leben, insbesondere an der Kultur. Da passt es gut, dass eine sechsköpfige Delegation des Musikvereins am vergangenen Samstag in Scherwiller weilte. Die Musique Harmonie Ste. Jeanne d’Arc realisierte das erste Konzert seit Ausbruch von Corona. 2020 konnte man im Januar noch musizieren. Auch damals hörten Fautenbacher zu. Danach herrschte Funkstille bei der Blasmusik und vielen anderen kulturellen Bereichen. Die Fautenbacher Musiker hatten 2020 die tolle Idee eines Klappstuhlkonzertes und letztes Jahr bauten sie die Konzertbühne gleich zweimal auf dem Bolzplatz auf. Seit Sommer, so berichten die Scherwiller, probe man wieder und alle fieberten dem jetzigen Konzert entgegen, immer mit einer schleichenden Unsicherheit im Nacken, ob die herrschende Covid-Variante doch noch einen Strich durch den Auftritt im Alphonse-Haag-Saal machen würde. Scheinbar ist es ein gutes Zeichen, dass im 55. Jahr der Freundschaft die Blasmusik als Erstes wieder öffentlich auftritt. Denn beide Musikvereine sind sozusagen die dauerhaften kulturellen Brückenbauer in der Beziehung unserer Gemeinden. Man verlor sich nicht aus den Augen, telefonierte oder schrieb sich und blieb so in Kontakt. Eine Scherwiller Delegation weilte letztes Jahr auch beim Ziwwl-Fest-Hock und nahm sogar Leckeres mit über den Rhein. Jetzt also das Konzert der Harmonie. Vor den Hörgenuss setzten die Fautenbacher den geschmacklichen. Im urigen Restaurant „Krone“ gab es Flammekueche satt. Nach dem Zuhören blieb noch Zeit zum Austausch. Viele Grüße wurden bestellt - von hiwwe nach diwwe und umgekehrt. Vorstand Roland Burst musste Präsident Patrick Spiehler leider mitteilen, dass ein Gegenbesuch nicht sein könne, weil das diesjährige Konzert des Musikvereins abgesagt wird. Dafür werde man im Sommer einen großen Konzerttermin realisieren. Am Freitag, 15. Juli musizieren neben Fautenbach auch die Kapellen aus Sasbach und Schwarzach nacheinander, und zum Schluss gemeinsam, bei einem Serenadenkonzert. Im 55. Jahr unserer Jumelage mit Scherwiller sind das doch gute Aussichten.

Fautenbacher in Scherwiller: v.l. Gerhard Burgert, Roland Burst, Susanne Burst, Otmar Schweißgut, Luzia Mark, Franz Sucher. Foto: Musikverein

60. Geburtstag

Als Joachim Droll am 28. März 2015 seinen Abschied als Dirigent vom Musikverein Fautenbach nahm, ging eine 20-jährige Ära zu Ende. Das Ehrenmitglied blieb als Trompeter und Leiter der Rentnerbänd dem Verein erhalten. Sein bedingungsloser Einsatz für die Blasmusik in Fautenbach ist beispielhaft. Und weil die Musiker wissen, was sie an Joachim Droll haben, kamen viele Ständchen-willige Musikanten „einfach so“ in den Waldweg. Anlässlich seines 60. Geburtstages wurde es ein „päpriges“ Freudenfest. Vorstand Roland Burst (l.) überreichte eine Schwarzwälder Kirschtorte. Foto: Musikverein

runder Geburtstag

Vielen Dank für die schöne Musik“, strahlt Claudia Lederer. Von „Klänge der Heimat“ bis zum Böhmischen Traum reicht der Bogen des Geburtstagsständchens für die Klarinettistin und Saxofonistin. Weithin sichtbar prangt die 50 auf der Dekoration am Haus. Deshalb sammelt Joachim Droll aus den Reihen der Rentnerbänd, in der die langjährige Kassiererin auch mitspielt, „ä paar Alte“, um musikalisch zu gratulieren. Das ist nichts Offizielles, einfach „nur so“. Die Musik geht ins Blut, rhythmisches Klatschen fördert bei trockener Kälte die Durchblutung, ein paar Nachbarn freut es auch. Alle bleiben auf Distanz. Auch hier ist sie wieder spürbar – die Bedeutung, dass sich Menschen begegnen: Kurz, mit Musik, einem flotten Spruch und einem Gläschen zum Anstoßen.

Anerkennung vom Gemeindechef

In seiner kurzen Neujahrsansprache anerkannte Ortsvorsteher Rainer Ganter das Wirken des Musikvereins im Pandemiejahr 2021. Er hob in der Pfarrkirche St. Bernhard, wo ein stark reduzierter „Neujahrsempfang“ stattfand, die musikalischen Aktivitäten im Dorf und somit für die ganze Gemeinde hervor: Musizieren zu verschiedenen Anlässen, wie auf dem Foto beim Adventsmusizieren am 18. Dezember (Foto: privat), und die beiden Konzerte auf dem Bolzplatz. Weil Musik die Menschen verbinde, so das Vorstandsduo Theresa Bauer und Roland Burst, werde man im Rahmen des Möglichen auch in diesem Jahr zur Freude aller Blasmusik im Dorf lebendig werden lassen.

Blasmusik mit Handbremse

In die Vollen konnten die Aktiven des Musikvereins und der Jugendblaskapelle Fautenbach-Önsbach in diesem Jahr gewiss nicht gehen. Zu einschränkend waren die Bedingungen. So musste man sieben Monate lang warten, um bei der Erstkommunion wieder live musizieren zu dürfen. Umso erfreulicher waren die Gelegenheiten, wenn die Blasmusik in ihrer ursprünglichen Form erklingen durfte. Bei diesen Anlässen war es sehr wohltuend zu spüren, dass „man gern gehört wird“. Zwei Open-Air-Konzerte bildeten ganz klar die Höhepunkte. Ensemble-Musik gab es am 1. Mai (private Initiative) und zum vierten Advent. Ein Schnuppertag lockte viele interessierte Kinder ins Probelokal. Die Umrahmung der Musikerhochzeit (Natalie und Florian Haag) mit Taufe klappte sehr gut und auch die Gottesdienste in St. Bernhard waren wertvolle Aufgaben. Kameradschaftlich leuchtet die Radwanderung zum Weingut Bohnert hervor. Auch an den digitalen Treffen (Schmutziger Donnerstag und Konzert) hatte man seine Freude, wie auch am Aufenthalt in Wangen (privat) mit Konzerten des Spontanorchesters Wangen-Fautenbach. Die Jugendblaskapelle hätte gern ihr 20-Jähriges gefeiert. Dafür konnte das 38. Ziwwl-Fest wenigstens als Hock mit sehr guter Resonanz über die Bühne gehen. „Nächstes Jahr ist der Musikverein 130 Jahre alt“, so das Vorstandsteam Theresa Bauer und Roland Burst. Man werde zunächst einmal „Blasmusik mit Handbremse“ planen, habe aber auch wichtige Ereignisse im Blick. „Bald haben wir ein verrücktes Blasmusikjahr hinter uns gebracht, das wie 2020 in die Annalen eingehen wird. Wir danken allen Freunden und Gönnern für alle Unterstützung.“